Fingerbreite Alles in Ordnung

Zwischen zwei Zeigern schwebend ein Gefühl wie Gelee dass nur eine Sekunde zum guten Leben noch vergehen muss doch sie zieht einem Spinnfaden gleich sich, kaum zu sehen doch darin schimmern Träume und wenn er reißt entgleist der Schlaf wie auf Schlittschuhen der Läufer vor der Dame, verfehlt sie aus dem Spiel zu schlagen. Ich bin der Schnittblumenverkäufer auf der Straße, verhehle Trauervliese in bunten Farben. Mit dummen Phrasen durch Kummerphasen und das Gefühl, etwas untragbares zu etwas wunderbarem verwunschen habe und dann verloren, nun Untertage die Trümmer betrachte, die nach oben zu holen sich lohnen und im Licht darauf zu thronen.

Die Sekunde der Schwebe zieht sich zäher hin als Gelatine oder Honig, ich darin ein Taucher und Trinker. Die rettende Oberfläche oh sie wäre in Fingerbreite zu erreichen doch lieber bequem etwas im Schimmer bleiben, sich nochmal drehen im süßen goldenen Kleber des Selbstmitleids, die Fliege im Bernstein. Aber der Alltag wird gewinnen, die Sekunde letztendlich verrinnen, nur schwerlich mithin mich glücklich zu nennen. Ich geh wieder mittags pennen und liege meinen Rücken wund und meinen Kopf gesund und bin abends wieder mittendrin. Alles halb so schlimm sagt mein Gewissen, alles in Ordnung sagt mein Gefühl, nur das Bett ist salzig und zerwühlt und die Ordnung halt beschissen. Ich ziehe am Zeiger er bleibt unerweichlich. In dieser Auftauchsekunde male ich die schönsten Bilder.

Candlelight

Du bist eine Peta-Aktivistin vor Schrödingers Kiste. Ich stimme zu: Grundsätzlich sollte man Katzen nicht einsperren, doch auch der Tod kann befreien. Mauern können fallen, aber Abgründe nicht, mag ich heute lallen – sorry macht an sich nichts, nur die Erbsünde rückgängig. Brückenmetaphern fand ich immer wacklig, faktisch weiß mein Nachttisch mehr von therapeutischer Praxis als ein Kaktus von Einsamkeit, denn er ist trocken und stachlich, mein löchriger Bart enthält eine Mahlzeit für zwei, Baby; magst du maybe, Dinner bei Clandlelight.

Zerfasert

Er fühlt sich zerfasert. Weil zwischen all den Fragen Zwischenfragen erscheinen wie Kampfansagen und vor allem ist es eine, die ihn zerfasert, nämlich jene ob er einen Plan hat? Gib ihm ne Kippe und ein Bier, vielleicht lieber zwei Bier, nur soviel dass er den Faden kurz verliert und wenn er ihn wieder findet bricht er dir und all den Armen hier, munter und kunterbunt im wording die Gesellschaft auf ihr Fundament herunter, mehr schlecht als recht lenkt er ein flackerndes Licht auf das Geflecht von Fasern das sie ist. Früher hat er alle verachtet, diese ein- und leichtfältigen Modernisierungsfaschisten, die nach vorne strebten, nach dem Effizienzkodex in postmodernen Codes lebten und sich offensichtlich verhedderten in den undurchdringlich blickdicht verwebten Fäden zwischen den Gitterstäben. Er hasste die Raser, die im Rückspiegel nicht sahen was sie taten, anderen antaten, die den Subtext nicht lasen und die Prinzipien auf denen sie fahren verraten auf dem Weg. Er schwang die Machete mit Pauken und Trompeten gegen das Dickicht, doch inzwischen und in Rücksicht wäre ein bisschen Rücksicht sicherlich nicht verkehrt gewesen. So war auch er im Flutlicht dem Druck nicht gewachsen und erkannte wie Macht belastet sobald man zerfasert. Heute weiß er keiner von denen hat gelebt, keine Zeit mehr gehabt weil: zwischen Schule und Lohnarbeit wird zerrieben wer verweilt. Alle werden zerfasert, zwischen Lohnarbeit und Freiheit, schaffen und fressen, ficken und saufen, bis zur Essenz aufgerieben wie der Mantel eines Kratzbaumes, an dem sie hängen wie vor Überreife platzende Pflaumen fest klammernd vor Sorge, private Altersvorsorge aus Furcht vor dem Tode, ohne ans Sterben zu denken. Alles, was ihnen gerade egal ist, was ihnen Gelaber ist, wird sie holn aber später sind sie tot und vergessen. Zurecht! denn sie haben nicht gelebt, nicht außer aus Eigensinn, nur einmal mit jungen Jahrn ohne Aufhalten mit vollem Einsatz im Flickenteppich verfangen und Scheuklappen aufgesetzt und zum Schutz vor flauen Blicken zur Seite aufbehalten bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum auf ihrem Herzschlag vom Glanz geblendet und entfremdet ausgehalten und ergraut und erkaltet, wie Zahnräder einer Maschine nach Verwendung aussortiert und im Alltag todverwaltet.

Ich fühle mich zerfasert, weil ich mit nichtmal fünfundzwanzig Jahren schon so viel gefragt hab und jede Antwort zu zehn Fragen zerfaserte und die Enden wie abgeschlagene Köpfe der Hydra zu einem Fundament gestapelt habe. Auf dem ich zu lange gestanden habe, um-mich-schlagend um ein mich zu bewahren das zerschlagen ward, als ich nicht gegen die Klagen ankommend jeden Schaden nahm und als Kratzer abtat. Ich bin ein Körper mit Rissen und Bisswunden, Geist mit Gedanken und Normen, die Schranken sind und Klettergerüst für Ranken sind, die irgendwohin wachsen müssen und gleichermaßen dabei zerfasern. Sie fraßen die Enden der Fragen in verträumten Massakern vor blassen Visagen, die mir wie Hausfassaden hinter Stacheldrahtpallisaden entegentraten. Ich möchte nicht besprochen werden, also ihr könnt über mich reden aber in meinem Angesicht seid ihr fast alle zerfasernd nichtssagend, schade.

Ich fühle mich zerfasert, aber weiß noch wie wir zwischen Trübsal blasen und im Vorführsaal schwafeln das Gerüst zum ersten Mal sahen und uns seitdem fragen: Wie konnten wir so lange vor dem Vorhang warten während die Spiele dahinter uns so zerfraßen? Es gibt kein richtig oder falsch, kein richtiges Leben im falschen und kein Sterben ohne ein paar lose Fäden. Doch in den Gerüsten liegen Räume und mit Freunden im Rücken fühlt man die Möglichkeiten der Freiheiten und die mögliche Freude in den Lücken, füllt man die Lücken mit Freude und webt sich wieder zusammen, wie wir es immer schon taten wenn wir in den Abgrund sprangen, in dem die Freiheit liegt und nach dem Aufprall geben Auftrieb und Halt nur die die mitspringen durch die Ebenen in den Spalt. Und wieder nach oben und um Atem kämpfen, unsere Stimmen zu verschwörerischem Flüstern dämpfen: Zerfasert? ja. Aber noch flechten lernen.

Zwischen etwas konfrontieren mit sich selbst und sich selbst verlieren in Konfrontationen bleiben wir in der Schwebe, nach draußen sehen auf der Fahrt zwischen all den Stationen die von Konstrukteuren vorgegeben irgendwo in Schienengeflechten stehen, und wie für immer konzipiert schienen. Es ist immer etwas Kraft da um zu lieben. Wollen wir Komplexitäten erforschen und unter Uhrenverboten Freiräume ausloten; Provokationen zwischen den Noten irritierend wie blaue Chilischoten und ironisch die Vorbot*innen der Katastrophen durch Verdrängung hin zum Abgrund lotsen, dass sie die Freiheit da unten wiederentdecken, wo wir unsre Subtexte zu Texten verfasern können; Gehalte in Ekstase er- und verfassen und lyrisch-kryptisch unerfassbar verrückt und stückig fühlbar werden, um sich dem Zerfasern entgegenzuwerfen?

Teilen

Wir teilten Zigaretten und das Bett und vor allem diese Gedanken, die in Ecken meist sich vor dem Licht verstecken. Angstgedanken, die einmal herausgezerrt mit Worten ihrer bedrohlichen Couleur entfärbt begriffen werden wollten. Viele gingen verschollen in ungesicherten Stollen die im Kopf graben. Wenn wir uns der Morgen entwanden sah ich: Wir sind wie Topfpflanzen, die zwar an Ranken verwuchsen doch immer im eigenen Topf warten. Vermochte eine Nussschale uns vielleicht des Nachts zu tragen, zerschellte sie doch an den grauen Küsten der Alltage, zumal das Salz kalt an der Schale nagte. Vielleicht haben wir über einem Kuss einen Kurs nicht zu setzen gewusst. Wir teilten ein paar Tage eines sterbenden Jahres und ein paar des neugeborenen und ich finde nicht, dass sie verloren sind, denn wir teilten auch unsere Freiheit, oder Freiheiten? Und unsere Leiden mit- und einander mit in bisweilen stürmischen Gezeiten und mir bleibt eine Frage einzig: War es mehr Liebelei oder Verzweiflung? Sei’s drum.

Wir wandelten und teilten ein bisschen Kunst und etwas Theorie und ja, mein finsteres Tal wird am Rande von Licht umspielt, ich wollte vielleicht viel doch vor allem dass du das siehst. Wir wandelten eine Weile gemeinsam umher und sicherlich teilen wir diese Welt noch eine Weile mehr und die Menschen, derer so viele aus Eizellen in Zellen gewachsen Systeme in Systemen im System, die sich nicht sehen während sie Paläste bauen und Schätze kaufen und an gute Geschäfte glauben. Sie lassen die Welt vielleicht verglühen, die uns zerfasern zu Einzelnen und Einsamen, wie Einzeller in jeweils eigenen kleinen Filterblasen.

Und bis zuletzt haben wir die Zweifel geteilt, das war das wichtigste vielleicht da ich kurze Zeit vermeinte, dass ein in Scherben zerteilter Geist an einem anderen heilt. Wär viel zu leicht. Und für meinen Schluss muss ich gestehn: leider sind meine Herzmetaphern leer, das Herz bleibt ein vermaledeit Organ, das einfach immer weiter und weiter Blut durch Adern rundherum im Kreis umtreibt, manchmal grade so doch meistens gnadenlos und ich schreib ihm nicht zu es wär dabei noch schadenfroh. Wir teilten einen Versuch und waren ehrlich dazu und deshalb ist es jetzt gut.

Irgendeine Stille Nacht

Es herrscht Nacht. Am Horizont atmet die Hölle, sie glüht unter der Wolkendecke bis über meinen Kopf, ruft. Orange drückt sie ihren Atem gegen den Sternenhimmel und über die Entfernung bis hierher, in meine Lungen. Da liegt sie, die Hölle, Ludwigshafen, ganz weit und nah und in der Nacht wie ein Drache entlang des Panoramas, eintausend Leben schwer.
Aus tausend Augen blitzt golden sein Blick und zersticht meine Augen auf diesem Heimweg durch den Winter. Aus unzähligen Nasenlöchern bläst sie toten Rauch in den grauen Himmel.

Strahlend grün

Gemeinsam schwimmen, fahren in einer Nussschale über ein Meer, aufpeitschendes Salzwasser und nur die Schale zu wehr. Sich aneinander festklammern, ein paar ehrliche Worte herausstammeln. Sich an der Hand und über Wasser halten, dem stürmischen, nasskalten. Der Sturm verweht die Angst, die Hassgestalten, die in meinem Kopf über die Lasten walten sowie die Furcht vor diesem schalen Gefühl am Morgen, von dem wir uns die Kräfte borgen. Zwar kann ich kaum aufrecht stehen da, doch welch Glück ich hab und die See ruhig und strahlend grün wie seltenst sehen darf.
In a nutshell I’m in love.

Hypnotisierend

Die Ampel schlägt um, von rot zu grün, von grün zu rot, wieder grün, hypnotisierend. Ein oranges Warnlicht FUSSGÄNGER! blinkt dazu. Ich trinke meine Apfelschorle vor der Lieblingskneipe und sehe der Fußgängerampel zu. Grün orange orange orange rot orange orange rooooot. Bei Tag leuchtet sie nicht so hypnotisch, sticht nicht so raus. Aber sie gibt den Menschenmassen ihren Takt vor. Hypnotisierend.