Es ist die Kritik am schlechten Idealismus in der Begründung der Pädagogik […].

– Gernot Koneffke, Kritische Bildungstheorie und die Begründung von Pädagogik, in: Kritische Erziehungswissenschaft am Neubeginn?! Suhrkamp; Frankfurt am Main 1999

Das beste, was einem passieren kann, ist sein Fach zu lieben.

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Jahr der Stürme

Ich liebe mein Leben
und den Mensch der ich bin
dich hätt’ ich auch geliebt,
hab den Platz bewahrt, in mir drin.

Und wenn du gehst,
frag ich mich, wohin,
und wenn du stehst,
hoff ich du findest den Sinn.

In mir drin, in mir drin,
all die Farben, all das Licht,
die Schatten gerinnen
und das Leben
entfaltet sich.

Die Wirklichkeit,
in all ihrem Sein, dem schönen Schein,
sie zerbricht.

Ich habe dich heute wiedergesehn,
nur so oberflächlich
und doch wunderschön,
so zerbrechlich, so zerbrechlich.
Auf und wider das Wiedersehn.

Wenn du gehn musst, lass ich dich gehn.

 

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Bunte Trümmer

Stürme kommen, Stürme gehen. Doch dieser Sturm war wunderschön. Wunderschön, sich in seiner Mitte zu drehen, all die Farben zu sehen, in ihnen aufzugehen und davonzuwehen.

Doch man muss auch überleben, sich aus den bunten Schlieren eine Decke weben, einem Wärme zu geben. Denn wenn der Sturm abkühlt, ist die Erde aufgewühlt und man fühlt
sich nicht mehr.

Es wird eisig kalt, man sucht Halt. Die Ruhe nach dem Sturm ist blau. Der Nachtwind weht noch rau, doch dann kommt der Morgentau und die Sonne und bald wird es lau. Und an einem wunderschönen Tag baut man sich ein Haus mit zitternder Hand, man hängt bunte Trümmer an die Wand. Und man fühlt, wie es bei jedem Windzug schwankt.
Man baut weiter und weiter und irgendwann schaut man heiter auf einen Palast. Ein Palast, der hundert Räume fasst. Doch die Farbe der Trümmer verblasst, wenn man nicht von Zeit zu Zeit zurückkehrt, aufpasst und ein bisschen verweilt.

Stürme kommen, Stürme gehen. Der Palast wird nur eine Weile stehen.

Mistress Schlaf

Sie ist der Schlaf. Es braucht nur eine Umarmung und du versinkst in wohliger Unwissenheit. Wie ein Kind versuchst du zuerst, ihr zu entkommen. Wie schön die Welt doch ist, es gibt so viel zu entdecken – Farben, Gerüche, Tiere, sogar die Menschen scheinen spannend. Irgendwann jedoch, an einem verregneten, kalten und stürmischen Herbsttag, brechen sie dich.
Und dann ist Mistress Schlaf da, du beginnst, dich jede Stunde nach ihr zu sehnen. Denn sie nimmt dir die Gedanken, wiegt dich sanft. Sie summt ein zartes Lied und tröstet dich zur Welt bereit. Du findest eine Zuflucht bei ihr.

Du stehst auf und gehst aus deinem Kämmerlein, fest entschlossen, die Welt zu brechen.

Du findest jemanden, der dasselbe will. Er, sie, oder was auch immer gibt dir den Halt, den du brauchst. Beide tragt ihr einen Keim Unschuld in euch. Es fällt leicht, in solcher Gesellschaft all das, was dich zum Brechen bringt, zu benennen. Und wenn man es ausspricht, verliert das Böse seine dunkle Farbe, seine Substanz. Es verweht wie ein Lachen im Wind an einem Sommertag und umarmt den Himmel.

Darmstadt, 31.10.2017. Mondwende

Mein Bett ist wie ein Ozean. Das Schiff, das wir uns gebaut haben, liegt auf dem Wasser wie eine Festung vor der Welt. Es dreht sich langsam zwischen unseren Fingern. Ein Abend zwischen Dinosauriern, Tortelloni mit Kürbissuppe und der Frage, wie es weitergehen soll. Du sagst: »Das ist das letzte Mal. Ich habe es entschieden.« Wir schwimmen das letzte Mal, frei und unbesorgt. Du schläfst neben mir ein und es ist gut. Ich akzeptiere es, habe genug für uns gekämpft (und das mit mir).
Es wird November, ein Herbstmorgen zieht auf und du verlässt unser Schiff.
Ein Sturm kommt. Ich schreibe und schreibe gegen die Winde, die erst deinen Duft aus meinem Kissen wehen und dann mich aus meiner Haut und meinem Kopf. Ich betrachte mich selbst im Wasserspiegel meines Geistes. Der Sturm flaut ab und ich treibe an meine Insel und in meine Haut, meinen Kopf zurück. In den vergangenen drei Jahren war ein Teil von mir Seefahrer und Wanderer, verfolgt und unter Druck gesetzt. Jetzt verlässt er mich und zieht weiter. Denn ich bin angekommen.
Manchmal bringt der Wind eine Brise, die nach Fremde riecht und Abenteuer, wie ein Gruß des Seefahrers. Dann werde ich traurig.
Doch trotzdem bleibt das Glück, diesen Ort gefunden zu haben, mit Menschen, die mich schätzen und lieben, mit mir selbst, den ich schätze und liebe. Hier steht eine Festung gegen die Mahlströme und Strudel der Gesellschaft, ein Ort des Lernens und der Punks, auch wenn sie manchmal Anzüge tragen. Hier bin ich zuhause.
Ohne unsere Festung auf dem Ozean hätte ich länger gebraucht, anzukommen. Ich habe mich selbst zu sehr verloren in uns und als ich mich wieder finden musste, konnte ich fühlen, was ich habe. Das ist gut und ich bin dankbar für das, was wir hatten.
Aber verdammt, wir könnten sein wie Bonny und Clyde. Wenn wir uns jetzt sehen, reden wir, lachen und sagen doch nichts. Als würden wir verneinen, das uns etwas verbindet und das schmerzt, so wie die Unendlichkeit des Ozeans schmerzt, die wir nicht erforschen werden. Doch das Gefühl von Glück und Sicherheit bleibt und trotzt der Trauer. Meine Festung ist stark.

Strange World

»Ich nenne dich Mai.«
Sie lacht und fragt, weshalb.
Ich erkläre: »Weil du wie ein Monat Sommer bist.«
Ersetzen wir dieses “bist” im Zitat aus meinem Beitrag vom 8. März mit einem warst und der besagte Beitrag liest sich wie eine Prophezeiung.
So geht es mir gerade. Ich höre meine melancholische Playlist, lese alte Beiträge und mache mir bewusst, wie weit ich gekommen bin.
Ich bin traurig, doch es geht mir tatsächlich gut. Gerade das Blutspenden heute mittag gab mir einen ziemlichen Schub und auch wenn es leicht übertrieben ist, war es schön, sich ein paar Stunden wie ein Held zu fühlen. Zumal ich so exemplarisch eine der größten Ängste meiner Kindheit überwunden habe (die vor Nadeln).
Mein Semester ist vollgepackt mit Veranstaltungen und es sind bis auf eine alle spannend und lohnen sich. Wenn das nicht ein Fortschritt ist. Und das andere wird lohnenswert gemacht.
Im November habe ich keinen Tag frei, bis auf drei Sonntage, die ich aber im Hause meiner Eltern verbringen werde (und mit der Heimfahrt) und so ist es keine richtige Freizeit. In Anbetracht der Arbeit, die auf mich zukommt, nicht an Prophezeiungen zu glauben, wird das wahrscheinlich nicht der schönste Monat meines Lebens.
Aber verdammt kann ich mein Leben wieder spüren.
It is intense,
it is vibrant and iridescent and real.
Lied des Tages: Wish You Were Here von Pink Floyd. Mal wieder.